Ratgeber Arbeitszeugnis prüfen

Zeugnis ändern lassen — der Ablauf und wo er endet

Wie Sie eine Änderungsbitte aufbauen, warum ein Formulierungsvorschlag mehr bewirkt als eine Beanstandung und wann ein Anwalt dran ist.

16.7.2026 · 3 Minuten Lesezeit

Kurz gefasst

  • Prüfen Sie vollständig und schreiben Sie einmal — nicht drei Mails über drei Wochen.
  • Ein Formulierungsvorschlag bewirkt mehr als eine Beanstandung, weil der Arbeitgeber dann nicht selbst formulieren muss.
  • Beschränken Sie sich auf drei bis fünf Punkte; mehr wirkt wie die Forderung nach einem neuen Zeugnis.
  • Ansprüche auf bestimmte Formulierungen, Erfolgsaussichten einer Klage und Ausschlussfristen sind Rechtsfragen.

Die meisten Änderungswünsche an Arbeitszeugnissen werden erfüllt. Nicht weil ein Anspruch besteht, sondern weil es dem Arbeitgeber nichts kostet und Streit vermeidet.

Entscheidend ist, wie Sie fragen.

Der Ablauf

1. Vollständig prüfen, dann einmal schreiben. Nicht drei Mails über drei Wochen. Gehen Sie das Zeugnis komplett durch und sammeln Sie alles.

2. Sortieren nach Gewicht. Fehlende Pflichtangaben und Fehler zuerst, dann inhaltliche Punkte, dann Formulierungswünsche.

3. Zu jedem Punkt einen Vorschlag. Das ist der wichtigste Schritt.

4. Freundlich formulieren, ohne Frist. Ein Zeugnis ist selten eilig, und Druck erzeugt Widerstand.

5. Wenn nichts kommt: einmal erinnern. Danach entscheiden, ob es den Aufwand wert ist.

Warum der Vorschlag entscheidet

Ein Arbeitgeber, der eine Beanstandung bekommt, muss selbst formulieren. Das kostet Zeit und ist unangenehm.

Ein Arbeitgeber, der einen fertigen Satz bekommt, muss ihn nur einsetzen. Die Zustimmungsrate ist erheblich höher.

Formulieren Sie so, wie ein Zeugnis geschrieben ist: dritte Person, Präteritum beim Endzeugnis, Ergebnisse statt Aufgaben.

Die Mail

Sehr geehrte…,

vielen Dank für das Zeugnis vom … Zu drei Punkten hätte ich eine Bitte:

1. Tätigkeitsbeschreibung. Die Betreuung des Projekts … mit einem Volumen von … ist nicht erwähnt, obwohl sie über zwei Jahre einen wesentlichen Teil meiner Aufgaben ausmachte. Vorschlag zur Ergänzung: „Darüber hinaus verantwortete Frau … das Projekt … mit einem Volumen von …, das sie termingerecht abschloss."

2. Verhaltensbeurteilung. Der Kundenkontakt ist nicht erwähnt. Vorschlag: „Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich."

3. Schlussformel. Mir ist bekannt, dass darauf kein Anspruch besteht. Ich würde mich dennoch über eine Ergänzung freuen.

Über eine korrigierte Fassung würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Drei Punkte, drei Vorschläge, kein Vorwurf.

Was die Erfolgsaussichten senkt

Zu viele Punkte. Bei zwölf Änderungswünschen entsteht der Eindruck, das Zeugnis solle neu geschrieben werden. Beschränken Sie sich auf drei bis fünf.

Ansprüche behaupten, die nicht bestehen. Wer schreibt, er habe Anspruch auf eine Schlussformel, hat sich angreifbar gemacht. Das schwächt die anderen Punkte mit.

Noten fordern. „Ich möchte ein Zeugnis mit Note 1" ist keine Kategorie, die es gibt.

Drohen. Eine angekündigte Klage, die nicht kommt, kostet Sie Glaubwürdigkeit. Eine, die kommt, kostet Geld und Zeit.

Wo Ihre eigene Arbeit endet

Ob Sie einen Anspruch auf eine bestimmte Formulierung haben, ob eine Klage aussichtsreich ist, welche Ausschlussfristen Ihr Arbeits- oder Tarifvertrag enthält: Rechtsfragen.

Anlaufstellen: eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht, oder Ihre Gewerkschaft, wenn Sie Mitglied sind. Der Rechtsschutz der Gewerkschaft deckt Zeugnisstreitigkeiten in der Regel ab und ist der wirtschaftlichste Weg.

Denken Sie an die Beweislast: Für eine Bewertung über der mittleren Stufe müssen Sie darlegen, dass sie gerechtfertigt ist (BAG, Urteil vom 18.11.2014 – 9 AZR 584/13). Sammeln Sie deshalb Beurteilungen, Zielvereinbarungen und Feedback, solange Sie noch Zugriff darauf haben.

In der Prüfung

Unser Bericht liefert die Liste: jede Stelle wörtlich zitiert, mit der üblichen Einordnung und dem Prüfpunkt aus dem Prüfkatalog. Das größere Paket enthält zu jeder beanstandeten Stelle einen Formulierungsvorschlag.

Rechtsberatung ist beides nicht. Der Bericht vergibt keine Note und sagt nicht, was Ihnen zusteht — diese Begriffe sind darin technisch gesperrt.

Die Vorschau zeigt kostenlos, ob es etwas anzusprechen gibt.

Im Text genannte Grundlagen

9 AZR 584/13

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15 veröffentlichte Prüfpunkte, Katalog 0.2.0. Die Vorschau kostet nichts.

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Dieser Bericht ist eine technische Plausibilitätsprüfung eines hochgeladenen Dokuments anhand eines veröffentlichten Prüfkatalogs. Er ist keine Rechts-, Steuer- oder Fachberatung und kein Sachverständigengutachten. Die Feststellungen beruhen ausschließlich auf dem, was im hochgeladenen Dokument lesbar war, sowie auf den Angaben, die Sie selbst gemacht haben.